Der Weg ist frei

 Bis heute gibt es keine Möglichkeit, Querschnittsgelähmte zu heilen. Jetzt haben Wissenschaftler der Universität Düsseldorf unter Leitung von Hans Werner Müller im Tierexperiment gezeigt, dass sich verletzte Faserbahnen im Zentralnervensystem regenerieren können. Das Problem: Wird eine Nervenfaser (Axon) im Rückenmark durchtrennt, ist sie zum Untergang verurteilt. Verantwortlich dafür ist eine so genannte kollagenhaltige Basalmembran, die sich an der Narbe des verletzten Gewebes bildet. Diese Membran stellt für die nachwachsenden Axone eine undurchdringliche Barriere dar.

Die Düsseldorfer Mediziner konnten bei Ratten mit Medikamenten verhindern, dass im Bindegewebe Kollagen gebildet wird und unterdrückten so die Ausbildung der Basalmembran nach Hirn- und Rückenmarksverletzungen. Damit war für die Axone der Weg frei, sich zu regenerieren. Das Ergebnis war vielversprechend: Die motorischen Faserbahnen wuchsen nach ihrer Durchtrennung im Rückenmark einer Ratte innerhalb von drei Monaten um mindestens eineinhalb Zentimeter. Das Verfahren haben die Forscher inzwischen zum internationalen Patent angemeldet. Sie prüfen jetzt, welche Funktionen des verletzten Rückenmarks sich durch die Therapie wieder herstellen lassen.