Das neue Mittel gegen Grippe

Bis vor kurzem drohtem jeden, der nicht geimpft war und sich mit Grippe infizierte, die üblichen schweren Erkältungssymptome: Fieber, Gliederschmerzen, Verschleimung, manchmal wochenlange Mattigkeit. Doch seit etwa einem Jahr gibt es Medikamente, die auch nach der Ansteckung noch wirksam helfen - vor allem dank neu entwickelter Neuraminidasehemmer, zum Beispiel Zanamivir.

Die Neuraminidase ist ein Enzym des Influenzavirus, mit dessen Hilfe neue Viren aus befallenen Zellen der Atemschleimhaut freigesetzt werden - was dazu führt, dass weitere Zellen infiziert werden und die Krankheit sich weiter ausbreitet. Unterbricht man diesen Prozess, indem man das Enzym-Molekül blockiert, kann das neue Virus die Wirtszelle nicht verlassen - und anschließend vom Organismus umso leichter unschädlich gemacht werden.

Entscheidend für den Erfolg ist eine rechtzeitige Behandlung, denn nur bei früher Anwendung von Zanamivir- haltigen Medikamenten (am ersten oder zweiten Tag der Erkrankung) gelingt es, den Verlauf der sonst bis zu zehn Tage dauernde Krankheit um zwei bis drei Tage zu verkürzen und besonders schlimme Begleiterscheinungen wie hohes Fieber und Verschleimung zu lindern. Bei späterer Therapie haben die Viren schon zu viele Zellen der Atemwege zerstört.

Dadurch ist der Körper schutzlos gegenüber weiteren Infektionen, etwa durch Bakterien.

Da das Anti-Virus-Mittel Zanamivir gegen Bakterien (etwa die Lungenentzündung auslösenden Pneumokokken) unwirksam ist, verschreiben Ärzte ihren Grippepatienten bei Komplikationen neben einem Neuraminidasehemmer auch noch ein Antibiotikum. Der Vorteil von Zanamivir gegenüber den weniger wirksamen, älteren Grippemitteln liegt vor allem darin, dass es sämtliche für den Menschen gefährliche Grippetypen (Influenza A und B) bekämpft, weniger Nebenwirkungen aufweist und dass die Viren gegen dieses Medikament nur selten Resistenz entwickeln.

Neuraminidasehemmer gibt es als Spray und in Tablettenform. Frühere Befürchtungen, das Aerosol sei für Asthmatiker ungeeignet haben sich in neuen Studien als unbegründet erwiesen; um beim Inhalieren Asthmaanfälle zu vermeiden, muss jedoch ein zusätzliches Mittel gegen Hustenreiz eingenommen werden. Das Spray wirkt geringfügig schneller als die Tabletten, da es direkter zum Wirkungsort gelangt.

Für die Grippevorbeugung ist Zanamivir dagegen nur bedingt sinnvoll. Zwar verleiht es einen gewissen Schutz - aber nur solange wie es regelmäßig eingenommen wird. Und das kostet viel mehr als eine Schutzimpfung.